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Fotorealismus versus Hyperrealismus

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Benutzerbild von ritch
ritch sagte am Samstag, den 11.05.2019 um 20:21 Uhr:

https://www.behance.net/gallery/78903353/House-in-nature-Exterior
Was haltet ihr von diesen "Fotos"? Wirken sie "echt"?
"Fotografiert" wurden sie durch die Linse des "dritten Auges" (auch Phantasie genannt) mit einer Turbo-gepimpten E-Cycles-Blender-Version. ^^
Der Fotorealismus ist offensichtlich, doch wo versteckt sich der Hyperrealismus?
Ganz einfach: Dieser Ort mit Wald, Wiese und Pavillon existiert nicht (nachweislich) in der realen Welt, könnte aber existieren, wenn man ihn entsprechend anlegt und realisiert. Das ist der entscheidende Unterschied zur puristischen Fotografie, die grundsätzlich nur jenes ablichtet, was existent ist, also die Realität dokumentiert. (Pur im Sinne von Selfies, Touri- und unüberlegten Familienfotos ...)
Der Hyperrealismus des CGI dokumentiert hingegen die Vorstellung einer anderen Welt auf sehr individuelle Art, denn wie in der Fotografie gleicht kein Bild exakt einem anderen, es sei denn, man verändert weder die Szene, noch das Licht oder die Kamera-Position (was jedoch albern wäre, da es natürlich einfacher ist, das JPG zu kopieren ;D).

Die Frage ist nun: Können auch FotografInnen Hyperrealisten sein?
Ja, davon bin ich überzeugt, wenn sie Techniken nutzen, um ihre ganz persönliche Sicht der Welt zu demonstrieren. Das fängt bereits beim Bokeh/DOF an, über Bildausschnitte, HDR und Kollagen bis hin zu BA-Filter-Exzessen ... und darüber hinaus, wo sich FotografInnen nicht mehr von freien Malern unterscheiden. Der Unterschied dieser Herangehensweise ist nur, dass man sich als Hyperrealist fragen muss, ob das Ergebnis realisierbar/reproduzierbar ist.
Genau das ist imho der grundlegende Unterschied zwischen Fotografie und CGI im hyperrealistischen Rahmen, da Letzteres eher aufbauend in die Zukunft blickt und Ersteres in die innere Weltsicht, welche keinerlei (zwanghaften) Möglichkeiten der Realisation benötigt. Gelänge es nun, Beides miteinander zu verbinden ... dann könnte es eine neue Kunstepoche einläuten, in der jede Art der Phantasie und Kreativität verbindend und interdisziplinär realisierbar wäre, sofern sie auch allgemein erstrebenswert ist. (In Bezug auf die obigen "Fotos": Malt die Außenwände bunt an, pflanzt Wildblumen im Garten, stellt Skulpturen auf und behängt die Wände des Interieurs mit lebensbejahenden Bildern. Der Hyperrealismus schafft die Grundlage solcher realisierbarer Phantasien.)
Schöne neue Welt ohne Anführungsstriche, oder? ^^

BTW: In einem Analog-Forum jaulte vor kurzem ein Fotograf über die Vergänglichkeit jener Fotografie. *hmmm* Ich denke, er hat es nicht verstanden, denn alles kommt wieder, wird von jeder neuen Generation "wiederentdeckt" und wird damit zum Hype.
Also an alle Nostalgiker: Behaltet die Teile in der Vitrine und verschenkt die Schätzchen nicht auf EBay - eure Kinder und Enkel werden es euch danken, im Retro-Hype eine echte Kamera zu besitzen ... auch wenn das Filmmaterial dann Unsummen kostet. ^^
Auch wenn heutige CGI-Filter das alte Material simulieren können, so ist es doch vom Gefühl her ein großer Unterschied, eine echte Kamera, ein Telefon oder eine Maus in Händen zu halten, oder? ;)

Beste Grüße,
ritch