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Forum > Sonstiges & Smalltalk > Workshop: "Tiefenschärfe"

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Workshop: "Tiefenschärfe"

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Benutzerbild von johansas
johansas sagte am Freitag, den 19.02.2021 um 13:22 Uhr:

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Benutzerbild von 4funfoto
4funfoto sagte am Montag, den 17.08.2020 um 21:12 Uhr:

Hallo zusammen, danke für die hilfreiche Zusammenfassung der wichtigsten Informationen und Anwendungen! Auch die Ergänzung von Pixelschubbser scheint mir sehr sinnvoll. Für mich als Hobbyfotografin sind solche Informationen immer sehr wertvoll und können mir sicherlich noch weiterhelfen. Danke dafür!

Benutzerbild von philEOS
philEOS sagte am Mittwoch, den 07.08.2013 um 10:52 Uhr:

Hallo Pixxelschubbser,

Danke für Deine wertvollen Ergänzungen zum Thema, die ich persönlich sehr interessant und aufschlußreich fand. Du hast damit natürlich vollkommen recht. Jedoch hatte ich auch meine Gründe, die Sache möglichst einfach zu halten. Konkret:

Im Grunde hattest Du ja schon selbst gemerkt, daß sich meine "Workshops" hinsichtlich Stil und Tiefe (bzw. Oberflächlichkeit) der vermittelten Inhalte an Anfänger wenden. Die ursprüngliche Idee dabei war, nicht jedem einzelnen neuen User, der mal für ein paar Wochen hier vorbeischaut und drei Bilder hochlädt, jedes Mal aufs Neue erklären zu müssen, warum man eine Landschaft bei Blende 2,8 nicht durchgängig scharf bekommt.

Aus diesem angezielten Adressatenkreis ergibt sich auch die Erklärung für den tatsächlich vorhandenen Widerspruch, was die Blenden-Empfehlung angeht: Viele der Neueinsteiger knipsen mit Kompakten, wo Sensorgröße und Pixeldichte noch mal in ganz anderen Verhältnissen stehen als bei den Vollformat- oder APS-C-Kameras mit 12 oder 24 MP. Darum habe ich mich eher an Allerweltsregeln orientiert à la "Sonne lacht, Blende 8", in der Hoffnung, daß damit eine größere Zielgruppe mit verschiedenstem Equipment zu insgesamt vertretbaren Ergebnissen kommt.

Wer natürlich einen solchen Expertenstatus hat, daß er standardmäßig ein Tilt-Shift-Objektiv an einer Großformatkamera einsetzt, um fliegende Raubvögel abzulichten, wird mit diesen Schmalspurthreads nicht froh werden - ich empfehle Dir daher, meine übrigen Workshops lieber nicht zu lesen (falls nicht schon geschehen).

Beste Grüße: philEOS

Benutzerbild von Pixelschubbser
Pixelschubbser sagte am Freitag, den 02.08.2013 um 10:39 Uhr:

Hallo philEOS,

ist ja schön, dass du dir damit so viel Mühe gegeben hast. Vieles greift aber zu kurz und ist zu stark vereinfacht, so dass es nicht mehr wirklich hilfreich ist.

Hast du eigentlich gemerkt, dass du dir oben widersprochen hast?

Zitat:
"während man jenseits von Blende 16 wiederum mit zunehmender Unschärfe rechnen muß: Die Lichtstrahlen werden beim Durchgang durch die extrem kleine Blendenöffnung nämlich so stark gebeugt, daß die Abbildung auf dem Sensor bereits verzeichnet wird und Kanten verschwommen statt klar konturiert erscheinen."

Eigentlich richtig - und doch nicht. Ab welcher Blende Beugungsunschärfe eintritt ist nämlich abhängig von der Sensorgröße UND der Pixeldichte. Eine Vollformatkamera mit 12 MP kann ich ohne Bedenken bis auf 22 abblenden, ohne dass Beugungsunschärfe wirklich bemerkbar wird. Bei einer Vollformatkamera mit 36 MP wird sie schon ab Blende 11 bemerkbar, und bei einerm APSC-Sensor mit 24 MP - mittlerweile ja schon fast Standart - bereits ab Blende 8.

Daraus ergibt sich, dass diese Empfehlung:

Zitat:
"Will man also eine möglichst scharfe szenische Aufnahme erreichen, z.B. von einer Landschaft, bei der vom Vordergrundelement bis zur Horizontlinie alles möglichst scharf abgebildet ist, dann führt die Kombination der oben diskutierten Faktoren zu folgender Anweisung:
- kurze Brennweite verwenden,
- die Blende in einem Bereich von f/8 bis f/16 schließen, ..."

schon sehr mit Vorsicht zu genießen ist!
Gerade Einsteiger, die (noch) nicht so mit der Materie vertraut sind, werden ihre 24-MP-APSC-DSLR oder ihre MFT auf 16 abblenden - und eventuell erschreckt feststellen, dass die Ergebnisse alles andere als knackscharf sind ...

btw: Die optimale Schärfe bei Landschaftsaufnahmen erreicht man mit einem Tilt-Shift-Objektiv durch den richtigen Einsatz der Tilt-Funktion.
Wobei: auch das ist nur ein müder Abklatsch dessen, was eine Großformatkamera zu leisten vermag ...

Benutzerbild von Ric
Ric sagte am Montag, den 08.07.2013 um 15:46 Uhr:

Sehr gut erklärt. Du sprichst von "Offenblende", anstatt damit zu verwirren, dass bei geöffneter Blende der Zahlenwert niedrig ist, so lässt sich das Kapitel "Tiefenschärfe" viel einfacher verstehen. Deine Beispiele sind klar und logisch. Ein guter Beitrag findet
Ric

Benutzerbild von philEOS
philEOS sagte am Mittwoch, den 09.01.2013 um 20:35 Uhr:

philEOS‘ kleine Workshop-Reihe (Teil 5)

„Tiefenschärfe“

Unter Tiefenschärfe, Synonym: Schärfentiefe, versteht man denjenigen Bereich einer Szenerie, der auf einem Foto scharf abgebildet wird. Wie weit sich dieser Schärfebereich ausdehnt, hängt von einer Reihe verschiedener Faktoren ab. Die wichtigsten sind:

* Brennweite.
Je kürzer (weitwinkeliger) die Brennweite ist, desto größer ist der Schärfebereich; je mehr die Brennweite in den Telebereich hineingeht, desto schmaler wird die Schärfeebene. Diesen Effekt macht man sich in der Portraitfotografie bewußt zunutze, indem man üblicherweise mit Brennweiten im Bereich von 85 bis 150 mm (KB) und Offenblende arbeitet. Damit ist das Gesicht im allgemeinen scharf, während der Hintergrund in abstrakter Unschärfe versinkt. In Extremfällen ist es möglich, daß die Augen (wenn auf diese fokussiert wurde) scharf sind, die Nasenspitze aber schon nicht mehr.

* Blende.
Je offener die Blende, desto schmaler ist der Schärfebereich; je geschlossener die Blende ist, desto mehr Tiefenschärfe wird erreicht. Die meisten Objektive erreichen bauartbedingt ihre optimale Schärfe ohnehin erst nach zweimaligem Abblenden, d.h. bei einem Objektiv mit Offenblende von z.B. 2.8 wäre das ab Blende 5.6 der Fall (die beiden Zwischenstufen 3.5 und 4.0 werden durch das „zweifache Abblenden“ übersprungen). Die ideale Blendenöffnung für den Schärfeeindruck liegt meist im Bereich von 8 bis 14, während man jenseits von Blende 16 wiederum mit zunehmender Unschärfe rechnen muß: Die Lichtstrahlen werden beim Durchgang durch die extrem kleine Blendenöffnung nämlich so stark gebeugt, daß die Abbildung auf dem Sensor bereits verzeichnet wird und Kanten verschwommen statt klar konturiert erscheinen.

* Abstand zum Hauptmotiv.
Mit „Hauptmotiv“ meine ich in diesem Fall das Bildelement, auf das scharf gestellt wird. Je näher sich dieses an der Linse befindet, desto schmaler ist die Schärfeebene, was sich insbesondere bei der Makrofotografie bemerkbar macht, zumal hier meist auch mit offener Blende und langer Brennweite gearbeitet wird. Man sieht häufig, daß z.B. bei der Aufnahme des Innenlebens einer Blüte das fokussierte Staubgefäß knackscharf ist und die nur wenige Millimeter daneben befindlichen Staubblätter bereits verschwommen abgebildet werden.

Bei Verwendung einer mittleren Blende befindet sich ca. 1/3 des Schärfebereichs vor und 2/3 hinter dem Fokuspunkt. Will man also eine möglichst scharfe szenische Aufnahme erreichen, z.B. von einer Landschaft, bei der vom Vordergrundelement bis zur Horizontlinie alles möglichst scharf abgebildet ist, dann führt die Kombination der oben diskutierten Faktoren zu folgender Anweisung:
- kurze Brennweite verwenden,
- die Blende in einem Bereich von f/8 bis f/16 schließen,
- einen möglichst großen Abstand zum gewählten Bildausschnitt halten,
- und den Fokus auf ein Element legen, das sich etwa an der Grenze vom ersten zum zweiten Drittel der abgebildeten Fläche befindet.

Umgekehrt erreicht man eine möglichst schmale Schärfeebene mit langer Brennweite, geringem Abstand zum Motiv und offener Blende. Nur weil wir uns daran gewöhnt haben, einen sehr schmalen Schärfebereich mit Makroaufnahme zu assoziieren, funktioniert der heutzutage sehr beliebte „Miniatureffekt“, der im wesentlichen davon lebt, der Aufnahme per Software einen Weichzeichner rund um das Hauptmotiv zu verpassen. Ein erhöhter Aufnahmestandpunkt und eine starke Sättigung vervollkommnen die Illusion, durch ein Makroobjektiv auf eine sehr kleine künstliche Szenerie herabzuschauen.

Durch den geringen Abstand zum Motiv, den man bei einer Makroaufnahme in der Regel hat, ist Licht meist Mangelware, so daß man um die tiefenschärfeverringernde Offenblende nicht herumkommt. Steht genügend Licht zur Verfügung (z.B. durch Verwendung eines Ringblitzes) oder läßt sich durch Stativeinsatz die Belichtungszeit verlängern, könnte ein Schließen der Blende den Schärfebereich vergrößern.
Ansonsten helfen technische Tricks wie DFF („Deep Focus Fusion“, dt.: Tiefenschärfeerweiterung). Dabei wird eine Serie (fast) identischer Aufnahmen vom Stativ geschossen, bei denen der Fokuspunkt jeweils ein kleines bißchen versetzt wird, so daß eine Verrechnung des Bilderstapels mithilfe geeigneter Software (Photoshop CS, CombineZP) auch ein kleines Objekt in Nahaufnahme von vorn bis hinten scharf abbildet. So entstand beispielsweise
http://piqs.de/fotos/172499.html

Scharfe Grüße von philEOS