Anmelden

Forum > Digitale Fotografie > RAW-Aufnahmen mit dem Smartphone

Bitte melde Dich an um eine Antwort zu schreiben.

RAW-Aufnahmen mit dem Smartphone

neueste / älteste Einträge zuerst
Benutzerbild von New Girl
New Girl sagte am Mittwoch, den 06.09.2017 um 16:05 Uhr:

danke auch nochmals hier, Olli. :-)

lg, maren

Benutzerbild von Olli.Garch
Olli.Garch sagte am Sonntag, den 03.09.2017 um 10:35 Uhr:

Jetzt habe ich die Info endlich wiedergefunden:
Ob Euer Smartphone RAW beherrscht oder nicht, läßt sich mit der App "Manual Camera Compatibilty" von Geeky Devs Studio überprüfen.
Nach dem Test, ob beim geprüften Handy Fokus, Weißabgleich, ISO und Verschußzeit manuell eingestellt werden können, wird als fünfter Punkt die Fähigkeit für Aufnahmen im RAW-Format gecheckt. Zeigt sich hier ein grünes Häkchen, könnt Ihr (wenn es die handyeigene Kamera-App nicht bringt) eine Fremd-App laden, die RAWs liefert.

Kostenlose Kamera-Apps mit RAW-Ausgabe sind z.B. OpenCamera oder auch - man höre und staune! - Lightroom.

----------------------------

@ Martin: Ich wollte nicht behaupten, daß Smartphones ebenso gute Fotos machen wie Systemkameras. Dahin wird es sicher niemals kommen.
Ich wollte nur darauf hinweisen, daß man mit RAW aus dem Smartphone weit mehr rausholen kann, als wenn man sich nur auf die JPEGs verläßt, und viele Menschen wissen gar nicht, daß ihr Smartphone das vielleicht sogar kann.

Benutzerbild von Ilagam
Ilagam sagte am Sonntag, den 03.09.2017 um 06:59 Uhr:

Hi,
Schöner Beitrag.
Ich selbst habe ein Samsung ...man kann schon eine Menge mit machen.
Jedoch ist es kein Ersatz für eine andere Kamera ...egal was für eine. Gut ich beschäftige mich nicht so sehr damit ...aber meist kann es nicht mit meiner D90 mithalten...auserdem muss man auch was in der Hand haben.
Finde ich.
Gruß Martin

Benutzerbild von Olli.Garch
Olli.Garch sagte am Samstag, den 02.09.2017 um 22:56 Uhr:

Das Handy/Smartphone hat sich längst zum fotografischen Notizbuch gemausert: Da es ohnehin ständig dabei ist, werden tagtäglich weitaus mehr Fotos mit dem Handy geschossen als mit Kompakt- und Systemkameras zusammen.
Engagierte Fotografen halten der Smartphonekamera allerdings drei Nachteile vor: Kein Zoom, keine variable Blende, und aufgrund der winzigen Sensoren eine oftmals üble Bildqualität!

Alle drei Vorwürfe treffen zu, und das wohl noch bis in alle Zukunft. Dennoch geben sich einige Hersteller ziemlich viel Mühe, um auch die engagierten Fotografen für Smartphones zu begeistern. Huawei hat sage und schreibe Leica als Kooperationspartner gewonnen und verbaut eine Doppelkamera dieser legendären Firma, von denen eine 12MP-Farbbilder und eine 20MP-Schwarzweißbilder aufnimmt - beide werden anschließend verrechnet und sollen Farbbilder mit besonders guter Feinzeichnung liefern.

Unabhängig von solchen interessanten Experimenten ist es zumindest für Spitzenmodelle inzwischen selbstverständich, RAW-Aufnahmen zu ermöglichen, und zwar meist in Form des herstellerunabhängigen DNG-Formats. Bei Huawei gehören die P- und die Mate-Serie ab Modellnummer 9 dazu, bei Samsung ab Galaxy S6, bei HTC das aktuelle U11 (die Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit).
Aber auch ältere oder andere als die genannten Modelle können mitunter in RAW aufnehmen, wenn man aus dem Playstore eine andere als die herstellereigene Kamera-App installiert. Android 5 (Lollipop) muß aber schon mindestens vorhanden sein, um in den Genuß des Rohdatenformats zu kommen.

Die Bearbeitung kann wie gewohnt nach Übertragung der RAW-Dateien auf den PC erfolgen, sofern man Lightroom, Photoshop, RawTherapee, Capture One usw. verwendet. Ein wesentlich eleganterer Workflow ergibt sich allerdings, wenn man die DNG-Dateien gleich auf dem Smartphone mit der kostenlosen App "Snapseed" bearbeitet. Snapseed hat in seiner neuesten Version ein RAW-Entwicklungs-Modul spendiert bekommen, mit dem gängige Korrekturen wie Belichtung, Lichter/Schatten, Weißabgleich, Kontrast etc. eingestellt werden können. Darüberhinaus stehen im gleichen Arbeitsschritt die übrigen Filter zur Verfügung, wie Drehen, Perspektivenkorrektur, Schärfen. Text- und Pinselwerkzeug.

Besonders hervorzuheben aus meiner Sicht:
- der Reparaturpinsel - nach Markieren eines Bildbereichs, der retuschiert werden soll, wird automatisch passendes Material aus anderen Bildbereichen kopiert, und das mit staunenswerter Präzision;
- und die Selektive Anpassung - mit Hilfe von U-Points können eingrenzbare Bildbereiche hinsichtlich Belichtung, Farbe, Kontrast, Struktur etc. korrigiert werden, während der Rest des Bildes unverändert bleibt, ohne daß Masken oder sonstige aufwendige Prozeduren bemüht werden müssen.
Bei wem es beim Stichwort "U-Points" klingelt, dem sei gesagt, daß Snapseed ursprünglich aus der Hamburger Softwareschmiede NIK stammt, die auch für die berühmt-berüchtigten NIK-Filter verantwortlich war. Und wie die NIK-Filter-Kollektion, wurde Snapseed von Google aufgekauft und steht seither kostenlos zur Verfügung.

Aktuelle High-End-Phones liefern bei gutem Licht bereits sehr ansehnliche JPEG-Bilder. Ein nach wie vor kritischer Punkt, bei dem sich die Überlegenheit des RAW-Formats zeigt, sind Portraits: Die bilden im handyintern erzeugten JPG teigig-monochrome Hautflächen und zu harte Kontraste ab, während man bei der händischen Entwicklung der RAW-Datei Einfluß darauf nehmen kann, wieviel Hautunreinheit um des natürlicheren Bildeindrucks willen noch zu sehen sein darf.

Eine abschließende Warnung: So angenehm einfach der Workflow mit der Nachbearbeitung in Snapseed direkt im Phone auch ist, so schnell hat man zuviel des Guten getan - das kleine Display des Smartphones läßt krasse Bearbeitungen attraktiver erscheinen als der große Monitor des PC. In diesem Sinne ist Weniger oftmals Mehr - ansonsten droht mitunter die erneute Bearbeitung der DNG-Ausgangsdatei, wenn man in der Begeisterung übers Ziel hinausgeschossen ist.

Gruß philEOS